Röm.-kath. Pfarrei Hl. Mutter Teresa Chemnitz
Gemeinde St. Antonius
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Kreuz
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"Bringt den Durstigen Wasser ...! Kommt den Fliehenden entgegen mit Brot! Denn sie sind vor den Schwertern geflohen, vor dem gezückten Schwert, vor dem gespannten Bogen, vor dem schweren Kampf."
aus: Jesaja 21,14-15

 

Nicht nur Tee und Kekse

Der Tee war gekocht, die Kekse bereit und in unserer Kapelle standen vor dem Altar Rosen, die wir den eingeladenen Flüchtlingen aus der damaligen EAE „Thüringer Weg“ als Zeichen der Hoffnung mitgeben wollten. Jedoch kamen die Privatautos, die zum Abholen gefahren sind, ohne Gäste zurück. So „hoffnungsvoll“ begann unsere Flüchtlingsarbeit.

Diese erste Erfahrung machten wir im November 2015 – damals als die Balkanroute noch offen war und ca. 800.000 Asylbewerber als Zeichen der Humanität ohne gültige Papiere nach Deutschland einreisen durften. Wir als Christen wollten etwas für diese Menschen tun, wie es der Prophet Jesaja im Alten Testament geschrieben hatte. Unser Pfarrsaal mit Kletterwand, Tischtennisplatte und Billardtisch bot die besten Voraussetzungen, um bei Klettern, Spiel, Billard, Tischtennis, Schach und vielen weiteren Spielen, vor allem aber auch mit Zeit für intensive Gespräche in diversen Sprache, den Ankommenden das Gefühl des Willkommen-seins zu vermitteln. Dieses Angebot wurde in den nächsten Wochen von den Asylbewerbern immer besser angenommen. Bis zu 80 Gäste besuchten uns alle 14 Tage – und noch heute gibt es Kontakte zu einigen dieser Menschen.

Sehr schnell merkten wir, eine gute Flüchtlingshilfe lässt sich nicht alleine sinnvoll gestalten: wir brauchen ein Netzwerk. Mit unseren evangelischen Nachbargemeinden im Chemnitzer Süden begann eine sehr vertrauensvolle und gute Zusammenarbeit, die inzwischen trotz der kurzen Zeit eine wechselvolle Geschichte erlebt hat. Immer wieder mussten wir unsere Begegnungsnachmittage anpassen, weil Flüchtlingseinrichtungen geschlossen wurden oder andere Veränderungen eintraten. Flüchtlinge, die wir als Mitmenschen annehmen und denen wir in der für sie (noch) fremden Umgebung helfen wollten und wollen, leben unverändert in unserem unmittelbaren Umfeld.

Ein wichtiger Baustein unserer Hilfe wurde das Jugendhaus „Lebenszeichen“. Von Juni bis Oktober 2016 nahmen wir es aus dem „normalen Betrieb“ heraus und öffneten es ausschließlich für zwei (teilweise drei) Familien aus Syrien und dem Iran. Es begann eine Intensivbetreuung dieser Familien, die bis heute andauert. Für einige Mitglieder unserer Gemeinde, die sich diesen Familien besonders intensiv widmen, begannen interessante aber auch arbeitsreiche Monate. Fast täglich brauchten und brauchen diese Familien Unterstützung. Nicht alles lief nach Plan, oft musste improvisiert, Niederlagen verkraftet werden. Aber mit ökumenischer Unterstützung und dank des großen Engagements der „Flüchtlingshilfe Einsiedel“ ist es uns gelungen, eine syrische Familie in Chemnitz und unserer Gemeinde zu integrieren.

Integration – heißt die Aufgabe, die wir nun (mit Gottes Hilfe) leisten müssen und wollen. Immer wieder ändern sich die Rahmenbedingungen. Die „Flüchtlingshilfe Einsiedel“ musste in die „Integrationsarbeit Chemnitz-Süd“ überführt werden, die noch breiter aufgestellt sein wird. Die Aufgaben sind groß und vor dem Hintergrund, dass es keine oder nur wenig finanzielle Förderung gibt, ist die Integration auch mit erheblichem finanziellem Engagement der Helfenden verbunden. Schon jetzt haben Familien in St. Antonius privat drei- bis vierstellige Summen gespendet, um den Menschen sinnvoll helfen zu können. (Es müssen zum Beispiel Anwaltskosten für Klageverfahren gegen Ablehnungsbescheide finanziert werden usw.) Integrationshilfe bedeutet auch, Sprache lernen. Seit dem  13. Januar wird im Jugendhaus ein Deutschkurs angeboten – besonders für Asylbewerber, die noch keinen staatlichen Kurs belegen dürfen, weil sie im Verfahren „hängen“. Wir werden von der „Integrationsarbeit Chemnitz-Süd“ unterstützt und unterstützen sie – in ökumenischer Verbundenheit. Monatlich führen wir einen Begegnungsabend durch. Für einige Familien aus unserer Gemeinde ist das mit täglicher ehrenamtlicher Arbeit verbunden, denn ständig gibt es irgendetwas zu tun: flattern Einladungen von Ämtern in die Briefkästen der Asylbewerber, die natürlich mit unserem Verwaltungssystem völlig überfordert sind. Inzwischen gibt es nicht mehr die Trennung: „meine und deine Flüchtlinge“. Wir betreuen zusammen Familien im Chemnitzer Süden, damit sie einen guten Start bekommen bzw. einen Aufenthaltsstatus bekommen, der ihnen diesen Start ermöglicht.

Wir wissen, die Arbeit mit diesen und für diese Menschen ist mehr, als Tee kochen und Rosen zu verteilen. Wir teilen mit ihnen Alltag, sind glücklich, wenn es Fortschritte gibt und leiden mit ihnen, wenn es wieder mal „den Bach hinab geht“.

Aus Nummern sind Menschen und oft auch Freunde geworden, die wir begleiten und Schicksale, die uns begleiten. Wir müssen uns über Spenden finanzieren, oft selber das Portemonnaie öffnen, um wichtige Dinge für die Familien tun zu können (z. Bsp. Tankrechnungen) – doch wir tun es gerne, damit es unseren Freunden besser geht und sie (fern ihrer Heimat – die sie verlassen mussten!) hier eine neue Heimat finden und sich auf Menschen verlassen können, die ihnen zur Seite stehen. Denn Flucht ist nicht nur Verlust, sondern auch Einsamkeit in einer neuen, zunächst unbekannten Welt.

Lieber Leser, sollte Sie dieser kleine Bericht angesprochen haben und Sie die Möglichkeit sehen, unsere Arbeit zu unterstützen, wären wir Ihnen sehr dankbar.


Text und grafische Elemente: Henning Leisterer

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