Röm.-kath. Pfarrei Hl. Mutter Teresa Chemnitz
Gemeinde St. Antonius
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Kreuz
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Warum ist Jesus der Heilsweg?
 
In vielen Religionen ist Jesus bekannt. Juden und Moslems sehen ihn als wichtige Person, mehr jedoch nicht. Für Christen ist er der Messias, der Heilsbringer und Gottes Sohn. Ja, er ist nicht nur Gottes Sohn, sondern ein Teil des dreieinigen Gottes: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Moslems und Juden können sich mit diesem Gedanken, nicht anfreunden, empfinden ihn sogar als schwere Gotteslästerung. Doch für uns Christen ist es existenziell wichtig, welche herausgehobene Rolle Jesus spielt. Wäre Jesus nicht Gottes Sohn, würde der ganze christliche Glaube wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen. Die meisten von den religiös Gebundenen haben den christlichen Glauben geerbt und sind von klein auf hineingewachsen. Manch anderer hat gesucht und ist eines Tages in einer Kirche angekommen, einfach weil unser Kulturkreis aus christlichen Wurzeln besteht und einem dadurch die Kirche weltanschaulich und meistens auch geografisch näher liegt, als eine Moschee oder Synagoge. Doch reicht es, um Gewissheit zu haben, dass Jesus der Heilsbringer ist? Sollte man dies in Anbetracht der vielen anderen Angebote auf dem religiösen Markt nicht auch mal hinterfragen (dürfen)? Oder haben vielleicht doch die Moslems recht? Oder die Juden? Oder die Buddhisten, Hinduisten, Mormonen, Konfuzianer, vielleicht sogar die Atheisten oder Esoteriker? In meinen Ausführungen richte ich mich NICHT gehen irgendeine Religion. Das soll ganz deutlich gesagt werden. Deshalb wird es auch keine direkten Vergleiche mit anderen Religionen geben, Beurteilungen schon gar nicht. Ich möchte einfach versuchen, darzulegen, warum Jesus Christus für mich als Christ so wichtig ist. Meine Argumentation wird etwas anders sein: auf keinen Fall theologisch. Das kann ich als Laie nicht leisten. Ich versuche einfach, Jesus Christus und seine Wirkung auf die Menschen zu betrachten.
 
 
Randnotiz Jesus
 
Jesus Leben war nicht sehr lang: 33 Jahre. Er hat keine Bücher hinterlassen, saß an keinen Schalthebeln der Macht, besaß keine Lobby oder sonstigen Einfluss und konnte auch nicht als gesellschaftlich hoch angesehen bezeichnet werden. Seine Kreuzigung hat im Geschichtsbuch nur eine Fußnote hinterlassen. Einzig der römische Geschichtsschreiber Tacitus berichtete in einer kurzen Anmerkung über die Kreuzigung eines Jesus. Trotzdem ist es unter Historikern wohl nicht mehr umstritten, dass Jesus wirklich gelebt hat: als Fußnote im Geschichtsbuch. Und doch gibt es 1,7 Milliarde Leute, die diesen Jesus als realen Heilsbringer verehren. Für die Bibel ist Jesus mehr als eine Randnotiz. Hier kann man ihn kennen lernen. Die Bibel berichtet von seinen Predigten und vor allem seinen Wundern, die er vollbracht hat. Hier steht geschrieben, wie die damaligen Menschen fasziniert zu ihm gingen. Höhepunkt seiner (wie wir heute sagen würden) Karriere bildete der feierliche Einzug in Jerusalem am Palmsonntag. Die Leute standen an den Rändern der verstaubten Wege und begrüßten ihn wie einen König mit Palmenwedel. Jesus wurde wie ein König empfangen und keine Woche später, wie ein Verbrecher hingerichtet, auf damals grausamste Weise, der Kreuzigung. Doch legen wir die Bibel beiseite.
 
 
Jesus, der Gescheiterte
 
Warum ist so wenig über den historischen Jesus bekannt? Obwohl so wenig über ihn bekannt ist, warum glauben dann so viele Leute an ihn? Ist das nicht ein Wunder? Propheten hat es früher einige gegeben, auch viele Wanderprediger zogen mit staubigen Füßen durch Israel, darunter sicher auch ältere, lebenserfahrenere Menschen, als Jesus. Doch warum ist Jesus, der Zimmermannssohn, der mit 33 Jahren schon sterben musste, so in Erinnerung geblieben? Natürlich kann keiner erwarten, dass dieser Jesus damals dokumentiert worden ist. Das Konterfei auf Münzen zu prägen, blieb Kaisern vorbehalten. Die Worte Jesus aufzuschreiben, konnten seine oft armen Begleiter nicht leisten, waren sie doch meist Analphabeten. Mit seinem prunklosen Leben kann man Jesus weltweite Popularität überhaupt nicht erklären. Und dann kreuzigte man ihn noch, so wie den allerletzten und niederträchtigsten Verbrecher. Auf den ersten Blick ist Jesus also gescheitert. Zynische Zurufe: „Wenn du Gottes Sohn bist, dann hilf dir selbst!" musste der Sterbende ertragen, bevor seine Augen nach vielen Stunden des Todeskampfes brachen. Sieht so ein Mensch aus, der die Welt verändern und 1,7 Milliarden Anhänger gewinnen würde? Warum war das Kapitel Jesus nach dessen Tod nicht beendet, damals, als sich seine Anhänger verängstigt zurückzogen? Hätte er nur eine religiöse Erscheinung seiner Zeit verkörpert, und ein ganz normales Wanderpredigerdasein geführt, dann wäre er höchstens marginal geblieben. Jesus als Mensch könnte auf dem Markt der religiösen Angebote wohl kaum bestehen: er der Zimmermannssohn, der Prediger, der nach dem recht netten Empfang durch die Jerusalemer zum Tode verurteil wurde und dort ohne Eingreifen eines göttlichen Wunders jämmerlich sterben musste.
 
 
Jesus, der Auferstandene
 
Jetzt kommt für mich der Punkt, warum Jesus wirklich Gottes Sohn, Heilsbringer, ja sogar Gott ist, dieser offenbar nach menschlichen Maßstäben gescheiterte Prediger. Er ist den Tod gestorben und hat ihn gleichzeitig überwunden. Jesus ist auferstanden, hat sich seinen verängstigten Jüngern gezeigt. Die Auferstehung ist ein zentrales, wenn nicht sogar das zentrale Element des christlichen Glaubens. Auch wenn viele diesen Fakt anzweifeln, macht mich das nicht mutlos. Jesus Auferstehung ist für den christlichen Glauben so immens wichtig, dass er damit steht und fällt. Also ist es nur logisch, wenn Skeptiker und Kritiker versuchen, den christlichen Glauben durch Widerlegung dieses Punktes ad absurdum zu führen. Wichtig ist, Jesus lebt! Schon allein die biblische Tatsache, dass Frauen das leere Grab zuerst gesehen haben und die weitergetragene Nachricht ihnen dann noch geglaubt wurde, kann für eine tatsächlich stattgefundene Auferstehung sprechen. Denn im allgemeinen trugen Frauen eher wenig zu einer Meinungsbildung der Männer bei, um das mal vorsichtig zu formulieren.
 
 
Jesus, der Mitempfindende
 
Glauben die anderen großen monotheistischen Religionen auch daran, dass Gott die Erde erschaffen hat und in dieser erschaffenen Welt alles in seinen Händen hält, so geht das Christentum den Schritt weiter, dass Gott durch Jesus ein für jeden Menschen persönlicher Gott geworden ist, der auf die Erde gekommen, unter den Ärmsten der Armen gelebt hat und sogar den menschlichen Tod gestorben ist. Dadurch begibt sich Gott freiwillig in die Niederungen seiner Schöpfung. Jesus ist bei uns, er kennt jeden von uns, kennt jede Angst, jeden Schmerz, jede Dunkelheit, weil er selber alles erlebt hat. Ja, Gott hat den Tod seines Sohnes auf Erden nicht verhindert, ist dadurch das Risiko eingegangen, dass Jesus von allen als gescheiterter Phantast angesehen wird. Ist das nicht einfach großartig? Wenn wir von Menschen angefeindet werden, können wir uns damit trösten, Jesus wurde auch bespottet. Sind wir in eine finanziell schwierige Lage geraten, wissen wir, Jesus war auch arm. Sind wir schwer krank und haben Angst vor dem Tod, so lässt Jesus uns nicht alleine mit unserer Angst. Er hatte auch Angst vor dem Tod. Sind wir verzweifelt und wissen nicht, was kommt, so dürfen wir vertrauen auf Gott. Jesus war auch verzweifelt im Garten Gethsemane vor seiner Kreuzigung, doch er hat seinem Vater vertraut. Und uns lädt Gott auch dazu ein, zu vertrauen. Was soll uns passieren hier auf Erden? Wir wissen, dass Gott nichts fremd ist, er hat in der Gestalt seines Sohnes alles ertragen und kennen gelernt: Angst, Spott, Armut, Demütigung, Tod.
 
Text und Foto: Henning Leisterer