Röm.-kath. Pfarrei Hl. Mutter Teresa Chemnitz
Gemeinde St. Antonius
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Kreuz
+++ Wir wünschen allen einen schönen Urlaub, Gottes Segen auf Ihren Reisen ... und denen, die in den Sommerferien hier bleiben (müssen), trösten wir damit: die Kirche bleibt auch hier! - Ihr Webmasterteam +++

Du bist Christ? Beweise mir Gott!
 
Die so genannten Gottesbeweise hat es immer wieder gegeben. Doch ich bin der Meinung, man kann Gott nicht beweisen - ebenso wenig kann man seine Existenz wissenschaftlich widerlegen. Dass man Gott nicht beweisen kann, ist jedoch für mich als Christ keine Katastrophe. Ganz im Gegenteil. Man stelle sich vor, irgendein Naturwissenschaftler hätte einen wissenschaftlich schlüssigen und allgemein anerkannten Beweis, dass Gott existiere und wie ein chemischer oder physikalischer Vorgang erklärbar sei. Könnte Gott dann immer noch der Allmächtige, der Höhere, der Schöpfer aller Intelligenz sein? Meiner Meinung nach wäre er dann zu einer mathematischen Formel verkommen. Schlimmer noch, wir dürften mit dieser Formel in unseren Gleichungen operieren. Sofort wäre die Allmacht, die Transzendenz Gottes in Tinte zerfallen, die unseren Federhalter füllt. Auf Wiedersehen, du höheres Wesen, willkommen auf dem karierten Papier und Löschblatt drauf! Weil man Gott nicht zu beweisen vermag, soll jedoch nicht bedeuten, dass es ihn nicht geben kann. Gewiss, in den letzten Jahrhunderten und Jahrzehnten scheint es für einen Gott immer weniger Platz zu geben.
 
 
Wer hat Gott erfunden?
 
Vieles was für Menschen früher unerklärbar und deshalb Gott „in die Schuhe geschoben" wurde, haben Wissenschaftler analysieren und erklären können. Der Astrophysiker Stephen Hawking (ich glaube, es war Hawking, weiß es aber nicht ganz genau) stellte die Frage: „Wenn es einen Gott gibt, wer hat ihn erschaffen?" Das ist eine sehr interessante Frage, berührt sie doch das Prinzip, dass sich alles nur durch einen Impuls entwickeln, bewegen oder verändern kann. Der Motor arbeitet erst, wenn ihn jemand anlässt. Die Kaffeemaschine spuckt erst Wasser in den Filter, wenn sie Strom bekommt und eingeschaltet wird. Nichts geschieht aus sich selbst heraus. Wenn man alle Teile einer Uhr in einen Sack stopft und vielleicht auch noch schüttelt, wird sich die Uhr niemals alleine zusammenbauen. Ich kann leider nicht philosophisch argumentieren und kenne auch die Gegenargumente nicht, aber rein aus meinem Verstand heraus, muss irgendwann jemand (nennen wir ihn ruhig Gott) alles erschaffen und diesem dann zur weiteren Entwicklung einen Plan gegeben haben: die Naturgesetze - also das, was Wissenschaftler jetzt messen, erklären und als Grundlage für weitere Begründungen nehmen können. Die Frage, die ich Hawking zugeschrieben habe, wer dann Gott erschaffen hat, ist die logische Konsequenz aus dem Prinzip: Impuls -> Verrichtung. Und genau diese Frage führt uns in ein Dilemma. Denn plötzlich müssen wir unser Denken einer höheren Dimension opfern, die wir nicht erklären können.
 
 
Gott und das Leben
 
Warum gibt es eine Erde? Warum hat die Luft dieses Sauerstoff/Stickstoff/Argon/Kohlenstoffdioxid-Verhältnis, das Leben erst ermöglicht? Wie kommen Pflanzen auf die Idee, Photosynthese zu machen? Photosynthese ist der bedeutendste biochemische Prozess und ohne sie wären unsere Ökosysteme nicht vorstellbar. Warum sind alle Faktoren, die für eine Photosynthese notwendig sind, gegeben, wenn es keine höhere Intelligenz gäbe. Ist die Ansicht vorstellbar, dass das hochkomplexe Wesen Mensch ein Zufallsprodukt ist, das zufällig aus der Ursuppe zusammengekocht wurde? Ich weiß nicht, ob es für diese Fragen wissenschaftliche oder philosophische Erklärungen gibt, doch ich vermute, dass diese Fragen nicht allgemeingültig und von A bis Z beweisführend beantwortet werden können. Und genau das scheint nach meiner Auffassung auch ein Argument zu sein, warum Gott nicht widerlegbar ist. Wenn ich nun ganz naiv frage, warum Menschen überhaupt auf die Idee kommen, das es einen Gott gibt, dann wird die Antwort sicher schnell und treffend lauten, „… weil sie sich früher nicht alles erklären konnten!"
 
 
Gott und die Philosophen
 
Inzwischen gibt es ja auch genug philosophische Weltbilder, die ganz ohne Gott zurechtkommen. Dabei denke ich an Marx („Religion ist Opium des armen Volkes") oder auch an Feuerbach („Gott ist der Spiegel des Menschen!" - soll heißen: Gott ist nur unser Gedankenkonstrukt). Doch alle Philosophen, alle Systeme, alle Zeitenwenden und Zeitenbrüche, alle Erkenntnisse haben eines nicht geschafft: das Wesen Gott aus den Köpfen der Menschen zu hämmern. Es gibt immer noch Leute, für die Gott lebendig ist, die in Kirchen gehen und einen Jesus anbeten. Aber es sitzen keine hauptschulgescheiterten Naivlinge in den Kirchen, die es einfach nicht begreifen wollen, dass es keinen Gott gibt. Als Philosophie, als Gedankenkonstrukt hätte Gott schon längst in der Mottenkiste der Epochen gelegen, wenn er nicht leben würde.

 
Gott in der Welt
 
Gott wäre von Wissenschaftlern tot-argumentiert worden, wenn es nicht Leute gäbe, die Erfahrungen mit dem lebendigen Gott gemacht hätten. Ich zum Beispiel erinnere mich an eine Situation, in der ich mit einem Freund unterwegs war. Wir waren mit zwei Autos auf Tour, hatten Kinder auf den Rücksitzen und wollten mit ihnen ins Kino. Die Situation war nicht besonderes aufregend: ich konnte bei noch grüner Ampel über die Kreuzung, mein Freund musste warten. Obwohl er wusste, wo das Kino war und mich nicht unbedingt als Wegweiser benötigte, fuhr ich nach der Kreuzung rechts in eine Parktasche, um auf ihn zu warten und ließ den Nachfolgeverkehr an mir vorbei. Nur wenig später hörte ich es vor mir an der nächsten Straßenabzweigung krachen. Ein aus der Seitenstraße kommender Pkw hatte die Vorfahrt nicht beachtet. Ich bin der festen Überzeugung, dass ich (mit den Kindern) das Opfer des Unfallverursachers gewesen wäre, hätte ich nicht auf meinen Freund gewartet. Von der zeitlichen Abfolge her passte dieses Szenario. Sicher, man kann jetzt schnell sagen, ich hätte einfach Glück gehabt, wie viele andere auch und es hat gar nichts mit Gott zu tun. Doch für mich war schon beim Vorbeifahren klar, hier bin ich durch die Eingebung, warten zu müssen, bewahrt worden. Ich denke, dass immer Menschen in ihrem Leben Gott/Jesus gespürt haben. Sie tauchen nicht in den Nachrichten auf. Über sie schreibt keine Zeitung. Man kann Gott niemals beweisen und ihn niemals widerlegen. Doch diese Leute benötigen keine Beweise.
 
Text und Foto: Henning Leisterer