Röm.-kath. Pfarrei Hl. Mutter Teresa Chemnitz
Gemeinde St. Antonius
Erfenschlager Str. 27 • 09125 Chemnitz • Tel.: 0371/50034
Kreuz
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Hochzeit mit Marie
 
anton-hochzeitJa, Ihr Lieben am Computer: ich bin verheiratet, ausgerechnet ich, der Einzelgänger. Sie heißt Marie und lebte auch alleine vor sich hin: im Erzgebirge. Der Zeitpunkt meiner Eheschließung war denkbar ungünstig gewählt: am 1. Januar 2011. Wie kann man nur auf so eine abgefahren-blöde Idee kommen. Da ist man doch von Silvester noch total besoffen und dann soll man nur wenige Stunden später seine Braut nicht nur wiedererkennen, nein sich auch noch durch die ganzen liturgischen Besonderheiten quälen, bevor man dann seine Braut küssen kann, sofern man (wenige Stunden nach Silvester) ihren Mund überhaupt trifft. Jetzt verstehe ich auch, warum Jakob im Alten Testament die falsche Frau untergejubelt bekam. Vielleicht hatte er auch gerade eine ganz schwache bzw. schwindelige Stunde oder es war Silvester? Doch in meinem Falle hat es geklappt. Ich bin nicht betrogen worden, habe wirklich Marie bekommen, nicht Josef, nicht Johannes aus Böhmen, auch nicht Franz aus Italien, nein Marie. Das hätte ich vielleicht gemerkt, wenn ich plötzlich mit einem Mann vereinigt worden wäre. Außerdem macht man das nicht, schon gar nicht in der katholischen Kirche. Wie wäre ich da ins Gerede gekommen: Anton ist mit einem Mann zusammen! Pfui! Gott sei Dank, alles ist gut gegangen. Und kalt war es! Kalt, glatt, schneereich. Schade. Noch vor 10 Jahren haben uns Klimaforscher fest versprochen: es gibt keine kalten Winter mehr. Ach so? Und nun? Nun, so sind sich die Experten sicher, macht die Klimaerwärmung nur eine Pause. Aha! Warum sind sie nicht ehrlich und sagen: Tschuldigung, wir haben uns geirrt. Ehrliche Eingeständnisse gab es früher doch auch schon: Sektenmitglieder standen auf dem Berg, erwarteten den Weltuntergang und als sie am nächsten Tag, nach Sonnenaufgang immer noch auf dem Berg standen, sagte der Guru müde: O, tut mir leid, da muss ich mich verrechnet haben. Er hätte ja auch sagen können: „Der Weltuntergang macht eine Pause!"
Nein, ein Weltuntergang war meine Hochzeit wirklich nicht! Zwar bin ich das Alleinsein gewohnt gewesen, doch Marie ist wirklich toll. Vor allem ist sie noch so jung. Sie wurde erst 1967 geboren! Dagegen bin ich schon richtig alt. Ihre Schwester übrigens, wohnt jetzt in Annaberg. Marie ist bodenständig. „Anton!", hat sie mir gesagt: „… jetzt, wo wir zusammen sind, kannst Du auch mal dein 5-Buchstaben-Körperteil bewegen …" (Marie ist sprachlich vornehm), „… und nach Zschopau kommen. Wenigstens Samstagabends, so aller zwei Wochen." - „Och, nö!", habe ich gesagt. „Da müsste ich ja aus meinen Pantoffeln raus, meine Wohnung verlassen und … Ne, ich hab`s gerne so, wie es schon immer war!" Doch Marie ließ nicht locker: „Anton!", sagte sie: „… haben wir eine Beziehung miteinander oder bin ich nur dein Anhängsel, das alles machen muss, was du willst?!" - „Na gut, dann komme ich eben auch mal nach Zschopau!", lenkte ich ein. „Du hast dort ja mich!", säuselte Marie zärtlich und sagte versöhnlich: „Den anderen Sonnabend kann ich ja zu dir kommen!" Ich freute mich. „Oder ich komme nicht, weil du ja am darauffolgenden Sonntag sowieso wieder zu mir kommst." Ich schluckte. Doch bevor ich etwas sagen konnte, umarmte sie mich und fragte: „Du hast mich doch gern. Oder? Außerdem sind wir nun verheiratet. Das heißt: gemeinsame Zukunft!" Ich nickte. Gemeinsames Leben, gemeinsames Konto …. Ich erschrak: gemeinsames Konto. Sofort ging ich zu ihr und sagte: „Aber dass du dir von unserem Geld nicht jede Woche neue Schuhe kaufst!" Marie sah mich süßsauer an und erwiderte „Und dein Tabak?" O Gott, ist das schon der erste Ehestreit? Ich wollte das nicht und fragte zärtlich: „Darf ich, wenn ich schon nach Zschopau muss, bei dir meine Pfeife rauchen?". Sie wollte es sich zumindest überlegen und blickte auffällig unauffällig auf ihre Schuhe.
Doch warum haben wir eigentlich geheiratet? Das haben sich andere ausgedacht. Sie konnten es nicht ertragen, uns beide so alleine durchs Leben gehen zu sehen und dachten sich: Da müssen wir etwas nachhelfen. Die beiden passen doch so gut zusammen! Naja, jedenfalls passen wir besser zusammen, als ich mit Josef oder Johannes aus Böhmen oder Franz aus Italien.    antonsch.jpg