Röm.-kath. Pfarrei Hl. Mutter Teresa Chemnitz
Gemeinde St. Antonius
Erfenschlager Str. 27 • 09125 Chemnitz • Tel.: 0371/50034
Kreuz
+++ Am 6. Oktober, 9.30 Uhr ist unser 85. Kirchweihfest. Herzliche Einladung! +++ Neue Termine für die Junior Jugend +++

Daisy
 
anton-daisy„La Boheme" sollte der Text eigentlich heißen. Aber die Boheme war ja, wie wir Opernfreunde wissen, eine meist künstlerische, intellektuelle Randgruppe, die gerne gegen Konventionen gelebt hat. Beispiel: Rodolfo (ja, der aus der Puccini-Oper) war ein Poet, der seine Fersen am kalten Ofen gekühlt hat, um sein Papier mit kunstvollen Versen zu beglücken, damit er es nachher zum Heizen nehmen konnte. Krank! Oder? Also wer will sich schon mit solchen Randgruppen beschäftigen. Ich nicht! Oje, da fällt mir ein, wir sind ja selber eine Randgruppe, wir Katholiken in Sachsen. Hilfe, wir sind christlich, stehen sonntags gerne früh auf, rennen in die kalte Kirche um dort im Chor Choräle zu singen. Verstoßen wir da nicht ganz schlimm gegen die allgemeinen Konventionen. Man ist in den neuen Bundesländern nämlich gerne atheistisch, schläft sonntags unter der warmen Bettdecke aus und gesungen hat man höchstens auf dem Nachhauseweg aus der Kneipe. Zum Glück kam Daisy. Daisy hat uns Katholiken in die Gemeinschaft integriert: in die Gemeinschaft der Schneeschippenden! Plötzlich standen Christen neben Atheisten Sonntagmorgens gemeinsam auf der Straße haben geschippt und gefroren. Das frühe Aufstehen war für alle kein Problem mehr, dank einer Satzung, die befolgt werden musste. Integration braucht eben Gesetze. Ja, die Satzung war der Schlüssel zum gemeinsamen Glück. In La Boheme (also der Oper) war es auch der Schlüssel, der Rodolfo (ja der, der seinen Roman verheizt hat) und Mimi zusammengebracht hat. Ihre Kerze war verloschen und sie hatte den Wohnungsschlüssel verloren. Vielleicht hätte sie an einer Altarkerze mit dickem Docht mehr Freude gehabt. Altarkerzen wären in dieser Situation jedoch völlig unromantisch gewesen, weil Mimi dann den Schlüssel selber gefunden hätte. Generationen von Theaterleuten leben aber davon, dass diese blöde Kerze ausgegangen ist. Also nahm Rodolfo Mimi in seine kalte Künstler-Bude und griff ihre Hand. Das ist der Beginn einer berühmten Arie: "Wie eiskalt ist dies Händchen ...", singt er verliebt. Ja, das sage ich auch immer, sogar im Sommer bei 30 Grad Hitze. Jeden Mittwoch, wenn das Tiefkühlauto kommt und mir das bestellte Eis sowie mein Gemüse bringt, macht der Fahrer seine Klappen auf und greift in das Gefrierzeug. Ich habe Glück, denn mein Fahrer ist eine Fahrerin. Wenn sie mir das Zeug in den Korb knallt, singe ich auch immer: "Wie eiskalt ist dies Händchen..." und ergänze librettogetreu: "... wenn sie es mir lassen, will ich es wärmen." - "Nein, keine Zeit, ich muss liefern! ", antwortet sie dann hastig, nimmt mein Geld in ihre kalte Hand und verschwindet schnell hinter dem Lenkrad. Doch Daisy hat dafür gesorgt, dass sie letztens nicht weit gekommen ist. Die nächste Schneewehe gehörte ihr und ihrem Tiefkühlauto. Ich habe diese Situation nicht ausgenutzt und bin ins Haus zurückgegangen. Mir war es einfach zu kalt. Während in "La Boheme" Benoit (der Vermieter) aus der kleinen Künstlerbunde rausfliegt, obwohl er nur die Miete eintreiben wollte, hat Daisy dafür gesorgt, dass im Januar weniger geflogen wurde. Die Flugzeuge blieben am Boden. Klar, Daisy, das war reiner Egoismus von dir. Denn du warst ja Winterwetter. Und wie bekannt, tragen Flugzeuge zur Klimaerwärmung bei, wären also dein Tod. Das konntest Du natürlich nicht zulassen. Also hast Du etwas Schnee auf die Startbahn gepustet. Stürmisch ging es auch in Puccinis Boheme zu. Rodolfo liebte seine Mimi, bis ihr im 4. Akt die Luft ausging. Das lag jedoch nicht an ihm, sondern an ihrer Krankheit. "Die Hände sind warm ... und ... schlafen ..." waren ihre letzten Worte nachdem Musetta ihr einen Muff besorgt hat. Och, ist das traurig: Musetta verhökert ihre Ohrringe, Colline seinen alten Mantel, damit man Mimi einen Muff kaufen kann, den sie dann bald gar nicht mehr benötigt. So ein Ende kann man doch nur im Suff ertragen.antonsch.jpg