Röm.-kath. Pfarrei Hl. Mutter Teresa Chemnitz
Gemeinde St. Antonius
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Kreuz
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Abwrackprämie
 
anton-abwrack„Du siehst ja aus, wie ein Wrack!", sagte mir neulich jemand. Ich stutze. Wollte er mir etwa sagen, dass es für Wracks wie mich eine Prämie gibt? Ich bin doch nicht freiwillig so klapperig geworden. Es lag am Verzicht in den letzten sieben Wochen! Schuld war die Fastenzeit. Besonders schlimm erlebte ich den Karfreitag. Während ich permanent die Knie gebeugt habe, um mich dann wieder zu erheben, knurrte mein Magen verständnislos. Mir wurde schlecht. Sport in der Kirchenbank und dann noch mit leerem Bauch. „Ist ihnen nicht gut?", fragte die Banknachbarin leise, während sie artig die liturgischen Kniebeugeübungen bewältigte. „Nein, mir geht es wunderbar!", raunte ich wütend „Ich genieße das hier! Ich habe gerne Hunger!" Schließlich kam die Osternacht. Beim Anblick des Osterfeuers lief mir das Wasser im Mund zusammen. Ständig musste ich an Gegrilltes denken und kaum war der Gottesdienst zu Ende, schlängelte ich mich durch die Menschen, die sich gegenseitig immer wieder versichern mussten, dass der Herr wirklich auferstanden ist, ja wirklich, wirklich, wirklich. Halleluja! Gut, wenn´s hilft! Schnell öffnete ich die Kühlschranktür ... aber außer kalter Luft hatte er nichts zu bieten. Sieht so die Rezession aus? Wir leben ja in einer Abwrackprämienzeit. Hat Papi letztes Wochenende seine Familie noch damit verärgert, weil er den ganzen Tag das Auto putzen musste, fährt er es dieses Wochenende in die Presse. Nun ist Papis „liebstes Kind" nur noch ein ganz normales Altauto, bringt aber 2500 Euro ein. So krempelt Vater Staat Werte um. Doch leider besitze ich kein Auto, dass ich zu Geld verschrotten kann! Nun bewahrheitet sich wieder die Bibel: „Wer hat, dem wird gegeben, wer nicht hat, dem wird ..." - jedenfalls nicht gegeben. Ein altes Gotteslob hätte ich da noch. Wenn ich die alten Dinger in der Kirche ansehe, erfasst mich tiefe Trauer und blankes Entsetzen. Das wäre doch mal eine Prämie wert. Abwrackprämie für Gotteslob-Bücher, die nur noch zusammengehalten werden, weil sich keiner mehr traut, daraus zu singen. Es müssen ja nicht gleich 2500 Euro pro Buch sein! Aber wenn man schon auf die Noten gucken muss, sollten sie auch erkennbar sein. Letzte Woche saß ich in einer uralten Kirche. Der Pfarrer lamentierte, dass die Kollektesammlung für die Sanierung des Gotteshauses bestimmt sei. Die Wände hätten Schimmel (so, wie mein letztes Stück Brot in der Küche), das Dach einen Schaden und die Kanzel wäre schon gesperrt. Abwrackprämie, denke ich. Die alten großen Benzinschlucker-Autos landen auf dem Schrott, damit man sich sparsame Kleinwagen kaufen kann. Sakralbauarchitektonisch übersetzt hieße das: energiekostenschluckende alte große Kirchen werden, sagen wir mal vorsichtig, ersetzt gegen moderne kleine, niedliche Gotteshäuser mit Solardach. Das wäre die Lösung! Doch wollen das die Menschen wirklich? Wären die Gemeinden im Kölner Dom, dem Ulmer Münster oder der Münchener Frauenkirche wirklich glücklich, wenn ihre Heizkosten schluckenden Riesenkirchen gegen nette, kleine Gotteshäuser eingetauscht würden? Nein, das darf man gar nicht zu ende denken. Vielleicht ist es doch besser, dass die Abwrackprämie auf Autos beschränkt bleibt!
Doch jetzt ist erst mal Ostern. Noch immer starre ich voller Entsetzen in den Kühlschrank und friere. Mein Magen knurrt. Wie soll ich nun die Rezession in meinem Bauch beseitigen? Ist denn ein Ende der Krise in Sicht, bevor ich verhungert bin? Nein, ich möchte nicht, dass die Leute nächste Woche wieder mit ihrem Weinglas den Kircheneingang versperren, sich diesmal aber zurufen: „Der gnädige Gott hat Anton von uns genommen. Wirklich, wirklich, wirklich. Halleluja!"antonsch.jpg