Röm.-kath. Pfarrei Hl. Mutter Teresa Chemnitz
Gemeinde St. Antonius
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Kreuz
+++ Wir wünschen allen einen schönen Urlaub, Gottes Segen auf Ihren Reisen ... und denen, die in den Sommerferien hier bleiben (müssen), trösten wir damit: die Kirche bleibt auch hier! - Ihr Webmasterteam +++

Vorsicht, Glatteis!
 
anton-glatteisUnd wieder rutschen die Autos über die Großstadtstraßen. Und das ist auch gut so. Schlimmer haben es die Autofahrer im Nachbardorf. Ständig fahren die beiden Räumfahrzeuge über die eine Straße und halten den Verkehr auf. In der Stadt dagegen haben die beiden Winterdienstautos dreißig Straßen zu beräumen und werden so nicht zum ständigen Verkehrshindernis. Also freies Rutschen ist gewährleistet. Und wenn es kracht? Das macht doch nichts in Zeiten der Abwrackprämie. 2500 Euro Entschädigung und ein neues Auto dazu. Was will man denn mehr? Außerdem muss man ja auch mal an die kurzarbeitenden Autozusammenschrauber denken, deren natürlicher Feind schon immer der Winterdienst gewesen ist. Nur vor der Kirche, da sollte man mal etwas schippen, nicht dass die Leute noch auf die Nase fliegen, die gerade aus der Kirche ausgetreten sind. Vorsicht Glatteis! Da kann man ganz schön rutschen, auch ohne Auto ... zum Beispiel sprachlich. Dass ein Ostfriese einen Bayern nicht verstehen kann, ist ja ethnologisch erklärbar. Anders sieht es da bei der FSSPX aus. Aber was ist FSSPX? Ist das die Kleidergröße für Menschen, denen XXXL-Klamotten noch zu körperbetont sind? Nein, FSSPX ist eine Abkürzung und heißt: „Fraternitas Sacerdotalis Sancti Pii X". Was das auf Deutsch heißt? Ist unwichtig. Der gute alte Lateinlehrer, den man sich als intoleranter Schüler manchmal mit samt seinen konsonantischen Deklinationen und Ablativen in die Hölle geträumt hat, versteht es und das reicht der FSSPX-Truppe auch. Doch Anfang der 60er Jahre muss wohl ein Priester nach der Messe seine Kirchenfenster zum Lüften geöffnet und festgestellt haben, dass seine Schäflein vor der Kirche eine ganz andere Sprache sprechen. Autsch. Vorsicht Glatteis! Nun musste eine Entscheidung getroffen werden. Sollte man etwa lateinischen Gottesdienst mit deutschen Übertiteln ausstatten, so wie es im Theater bei italienischen Opern üblich ist, wenn Tosca wütend Scarpia niedersticht oder Violetta ihr Leben mit „Ah! Io ritorno a vivere oh gioia!" beendet? Nein, keine Halbheiten bitte! Also ging es dem Latein an den Kragen, genauso, wie wohl am liebsten dem armen Lateinlehrer aus der Schulzeit. Doch dann haben unsere FSSPX-Freunde draußen gemerkt, dass in der katholischen Kirche plötzlich eine ganz andere Sprache gesprochen wird, als sie es gewohnt waren. Vorsicht Glatteis! Nachdem die unter Anglizismen leidenden Normalbürger nach ihren Shoppingtouren samstags im Carwash-Center ihr Auto gesäubert haben, vor der Super-High-Definition-Television saßen, den Blockbuster sahen, anschließend die News erlebten, bei Season 2 der Primetime-Serie weinten, in der Werbe-Spot-Pause ihre Tränen der Rührung in die Lemmon-Brühe kippten, konnte man doch sonntags im Gottesdienst die deutsche Sprache endlich wieder auffrischen. Muss man da nicht Verständnis mit den FSSPX-lern haben, die einfach nur ihre konsonantischen Deklinationen und Ablative am Leben erhalten wollen, weil es Tradition ist? Ich verstehe das. Doch Vorsicht, Glatteis! Warum mit der Tradition auf halbem Wege stehen bleiben? Die ältere Sprache ist doch zweifellos „Aramäisch". Und der Vorteil: Aramäisch würde sogar Jesus verstehen, weil es seine Muttersprache war. Doch bis sich das in der Kirche durchgesetzt hat, wird noch viel Streusalz auf die winterlichen Straßen fallen.        antonsch.jpg