Von der kleinen Hauskapelle
zur Salesianer-Pfarrei

Eine Chronik der Gemeinde St. Antonius in Chemnitz - Teil 1

Ein ungewöhnlicher Ort war es schon, den Jakob Schewtschik ausgewählt hatte: keine Kirche, kein Gemeindesaal, nein, eine Gaststätte in Altchemnitz. Dorthin lud der Gemeindepfarrer von St. Nepomuk die Katholiken des südlichen Stadtteils und Umlandes ein und eröffnete ihnen seinen Plan. Er wollte im Süden der Stadt eine Kirche, eine Schule und ein Pfarrhaus bauen. Das war 1913. Noch im selben Jahr wurde ein Grundstück in der Buchholzer Straße gekauft, um schon im Folgejahr eine Schule zu errichten. Noch im selben Jahr wurde ein Grundstück in der Buchholzer Straße gekauft, um schon im Folgejahr eine Schule zu errichten. Selbst einen Entwurf
Jakob Schewtschik
des zu bauenden Hauses gab es schon. Er stammte vom Architekten Wenzel Bürger.
(Bürger war kein Unbekannter: er baute von 1897 bis 1899 die alte Chemnitzer Synagoge.) Doch das für uns projektierte Gebäude konnte nur auf dem Papier entstehen. Der erste Weltkrieg (1914 bis 1918) verhinderte die Umsetzung des ehrgeizigen Planes aus dem Vorjahr. Das Grundstück lag brach, nicht nur in den Kriegswirren, nein auch danach. Das Vorhaben aber ließ Jakob Schewtschik nicht aus den Augen.

Der Entwurf von Wenzel Bürger, Buchholzer Straße, von der Südstraße aus gesehen.

Die katholische Schule

In Chemnitz existierten zwei katholische Schulen, die aus allen Nähten zu platzen drohten. Zur Entlastung dieser wurden am 8. April 1918 vom katholischen Schulverband im Haus Erfenschlager Straße 27 Räume gemietet. So konnten ab 6. Mai 1918 in vier Klassen 130 Kinder unterrichtet werden. Nur ein Jahr später erlangte die Schule ihre Eigenständigkeit als 3. katholische Schule in Chemnitz. Oberlehrer Morche wurde die Leitung übertragen. Der Nepomuk-Pfarrer hatte noch mehr vor, mit dem Haus 27. Im Jahre 1919 konnte Schewtschik das Haus kaufen. 82.500 Mark kostete das Anfang des Jahrhunderts gebaute Haus, das vor dem Konkurs eine Gaststätte war (eine Quelle berichtet sogar von einem Hotel). Der Schule

Einladung zum Elternabend

war nur eine kurze Zeit in den Räumen beschieden. Schon im Frühjahr 1926 beabsichtigte das Sächsische Bildungsministerium die katholische Schule in eine Volksschule umzuwandeln. Was der Stadtrat zunächst noch verhindern konnte, ließ sich im Jahre 1928 nicht mehr vermeiden: die Einrichtung wurde Volksschule und nach den Sommerferien des Jahres 1932 musste sie ganz schließen, trotz vieler Bemühungen. Auch eine vom Direktor der Schule, Oberlehrer Morche, angesetzte Elternversammlung konnte das Absinken der Schule in die Bedeutungslosigkeit und schließlich deren Schließung nicht abwenden. Die Schule jedoch war nicht die einzige Einrichtung, die Schewtschik in das Haus integrieren

Das Haus Erfenschlager Str. 27
Ende der 20er Jahre
konnte, um seinem Plan von 1913 wieder ein Stück näher zu kommen.

Das Kinderheim

Das Elisabeth-Haus auf der Weststraße 8 war eine Privatklinik. Die Grauen Schwestern der heiligen Elisabeth betreuten diese Klinik seit 1909. Mit den Erlösen der Einrichtung schafften es die Schwestern, ein katholisches Kinderheim zu führen. Dieses Kinderheim musste oft den Standort in Chemnitz wechseln. Pfarrer Schewtschik hätte das Heim sehr gerne in das Haus 27 integriert.

Antonius-Kinderheim
in den 20er Jahren
Die allgemein herrschende Wohnungsnot nach dem 1. Weltkrieg verzögerte die Verlegung des Heimes von der Schulstraße 105. Erst am 22. September 1920 konnte
das Antonius-Kinderheim in die Erfenschlager Straße 27 ziehen. Die Zeit der Hausgeistlichen begann. Ein pensionierter Pfarrer aus Dresden, Maximilian Herr, muss wohl der erste Seelsorger gewesen sein, (leider geben die Quellen dazu nicht genügend belastbare Hinweise). Sicher ist, dass Ludwig Görlich von 1922 bis 1923 Hausgeistlicher war, bevor er dann als Expositus nach Limbach wechselte. Ein Kuratorium wurde gegründet, welches gemeinsam mit den Ordensschwestern das Antonius-Heim wirtschaftlich führte. Vorsitzender dieses Verwaltungsapparates war der Pfarrer von St. Nepomuk, also Jakob Schewtschik, später sein Nachfolger Erzpriester Wilhelm Neugebauer und ab 1927 (mit der Errichtung des Seelsorgeamtes in Altchemnitz) Pfarrer Hieronymus Spettmann, dann Pfarrer Bernhard

Toddenroth. Zunächst wurde am 3. April 1922 im Haus 27 eine kleine Kapelle geweiht. Nun hatten die Grauen Schwestern der Hl. Elisabeth einen Raum der Ruhe, Meditation und geistlichen Begegnung. Die Heilige Messe wurde ab 1922 Sonntag für Sonntag in einem Klassenzimmer gefeiert. Schüler und Hausgeistlicher blieben

Hauskapelle 1922 und 1930 nach dem Umbau (rechts)

jedoch meistens unter sich. Nur schwer konnten sich die Altchemnitzer Katholiken an die Einrichtung gewöhnen. Das sollte sich mit dem Eintreffen des Schweizer Pfarrers Röthlin (25. Februar 1923) ändern. Immer mehr Gläubige besuchten die Gottesdienste im Klassenzimmer. Nachdem Jakob
Joseph Röthlin

Schewtschik nach 14 Jahren Dienst in Chemnitz 1922 in die Pfarrei Crostwitz berufen wurde, nahm sich Priester Joseph Röthlin dem Bauvorhaben an. In Deutschland griff die Inflation um sich. Mit Hilfe seiner stabilen Währung versuchte der aus der Schweizer Diözese Chur

kommende Röthlin, Kirche und Pfarrhaus zu bauen. Das 1913 von Pfarrer Schewtschik gekaufte Grundstück auf der Buchholzer Straße wurde gegen ein anderes getauscht. Die alten, 1913 in der Gaststätte unterbreiteten, durch Krieg und Notzeiten geretteten Pläne, schienen endlich vor ihrer Verwirklichung zu stehen. Aufbruchsstimmung. Architekt Jänichen entwarf die Baupläne und tat den ersten Spatenstich auf dem neuen Grundstück. Aber wieder sollte sich alles anders entwickeln. Durch das Ende der Inflationswährung war den Plänen kein Erfolg beschieden. Seelsorger Röthlin aber gab noch nicht auf. Er nahm die Strapazen einer Bettelreise nach Argentinien auf sich, um Geld zu beschaffen - es reichte nicht.

So hätte der Jänichen-Bau aussehen sollen.
Die Honorare des Architekten konnten nicht bezahlt werden. Röthlin starb am 1. Januar
1926. Auch das neue Grundstück sollte brach liegen - wieder für viele Jahre. Dem rührigen Priester Röthlin folgten noch zwei Hausgeistliche, der Schweizer Michael Anton Tanno und der Jesuiten-Pater Georg Gensert. Tanno musste aus gesundheitlichen Gründen das Haus schon 1927 wieder verlassen, Gensert wirkte auch nur wenige Monate. Während seines

Dienstes in Chemnitz gehörte er der Kommunität in Hoheneichen (Dresden) an. Eine von ihm abgehaltene religiöse Woche (06. bis 13.03.1927) fand großen Zuspruch. Die Elisabeth-Schwestern führten das Kinderheim souverän durch die Wirtschaftskrise Ende der 20er Jahre. 1936 jedoch musste man das Kinderheim in ein Altenheim umwandeln, einfach deswegen, um das Haus dem Zugriff der Nationalsozialisten zu entziehen, die (wie in jeder Diktatur üblich) die geistige

Noch ein Bild vom Kinderheim:
der Speisesaal
P. Georg Gensert

Gleichschaltung der Kinder in ihren braunen Kinder- und Jugendorganisationen praktizierten. Frei werdende Räume wurden als Wohnung vermietet, damit die braunen Machthaber keinen Fuß in das Haus bekamen. 1941 mussten die Elisabeth-Schwestern das Altenheim aus Personalmangel aufgeben. Das Elisabeth-Haus auf der Weststraße betrieben sie weiter (bis 1982). Schule und Kinderheim jedoch bildeten die Grundlage für den Aufbau einer eigenen Gemeinde.

Die Anfänge der Gemeinde

Der Chemnitzer Erzpriester Wilhelm Neugebauer gewann den Wechselburger Schlosskaplan Dr. Hieronymus Spettmann zum Seelsorger für die Altchemnitzer Katholiken, so dass am 1. Oktober 1927 ein katholisches Seelsorgeamt errichtet werden konnte. Diesem Amt wurde ein Territorium zugewiesen. Das Haus Erfenschlager Straße 27 beherbergte nun drei Einrichtungen: Katholische Schule (Erdgeschoss), Kinderheim (1. Etage), Seelsorgeamt (2. Etage). Natürlich war die einst für die Grauen Schwestern der Hl. Elisabeth gedachte Kapelle bald zu klein. Dank Spenden einiger Vereine wurden 3800 Mark aufgebracht, die in eine 100 Leute fassende Kapelle investiert werden konnten.
Hieronymus Spettmann

Diese wurde auf der Kinderheimetage errichtet und am 27. November 1928 (1. Advent) geweiht. Wieder war man dem eigenen Pfarramt, der eigenen Kirche ein kleines Stück näher. Schon bald war klar, die Kapelle konnte die große Menge der Gläubigen nicht mehr fassen. Immer dringender wurde ein Kirchbau. Doch wie? Die wirtschaftliche Not wuchs, 90 Prozent der Gemeindemitglieder hatten keine Arbeit. Außer einem brach liegenden Grundstück, dass nicht viel mehr als einen ersten Spatenstich vor zirka 8 Jahren „erlebt" hatte, gab es nichts in den schlechten Zeiten, Ende der Zwanziger Jahre. Und

Der Kreuzweg in der Kapelle
des Hauses 27
wieder waren es die Altchemnitzer Katholiken selber, die einen Ausweg aus dieser Bedrängnis suchten: Ein Verein wurde am 24. Juli 1928 gegründet: der „Katholische Pfarrverein Alt-Chemnitz e.V." Folgende Aufgaben schrieben sich Mitglieder in ihre Statuten: „Bau einer Kirche mit Gemeindesaal, Erhaltung eines von den kath. Schwestern geführten Kinderheimes mit Säuglingspflege, Übernahme und Organisation von Vormundschaften und Unterbringung verlassener Kinder in Familien und Heimen, Unterstützung von Kranken- und Armenpflege durch die kath. Schwestern."
Auf dem Grundstück Erfenschlager-/Einsiedler Str. wurde ein zweiter Versuch unternommen, eine Kirche zu bauen. Doch ähnlich wie einige Jahre zuvor (unter Röthlin) scheiterte auch dieser Bau wirtschaftlich.

Dennoch darf die Zeit von 1927 bis 1933 als für die Gemeinde wichtig bezeichnet werden. Obwohl das Seelsorgeamt St. Antonius noch immer kirchenrechtlich zur St.-Nepomuk-Gemeinde gehörte, hatte man mit Expositus Spettmann einen Geistlichen, der von den Gläubigen nicht mehr als Hausgeistlicher, sondern als ihr

Der Gutshof in Zwönitz: Kinderlandheim

Fronleichnamsprozession 1930
in Alt-Chemnitz
Pfarrer angesehen wurde. Der Katholische Verein unterstützte Spettmann, wo er nur konnte. Die Kinder der oft arbeitslosen

Väter konnten mit Spettmann Wallfahrten nach Wechselburg unternehmen, ja selbst ein Gutshof in Zwönitz stand ihnen als Kinderlandheim für mehrtägige Freizeiten zur Verfügung. Das war viel für die damaligen Notzeiten. Im Jahr 1930 fand auf dem Pfarrhof eine vielbeachtete Fronleichnamsprozession statt, die erste in Chemnitz nach 391 Jahren.

Eine Kirche entsteht

Der 7. April 1933 brachte eine Neubesetzung des Seelsorgeamtes und einen neuen Namen. Das bischöfliche Ordinariat benannte das Seelsorgeamt in „Katholisches Pfarramt Chemnitz-Alt" um. Aber noch wurde nur der Name geändert, ohne damit den kirchenrechtlichen Status neu zu

definieren. Neuer Expositus wurde Bernhard Toddenroth aus Münster in Westfalen. Er kam 1923 nach Chemnitz und war nach kurzem Dienst in St. Nepomuk fast 9 Jahre lang Kaplan in St. Joseph. Noch immer litt die Gemeinde unter den schlimmen Zuständen in der viel zu kleinen Hauskapelle. Oskar von Kielpinski (Mitglied das Katholikenvereines) bemerkte: „In den immer noch viel zu kleinen Räumen entwickelt sich bald eine derart schlechte Luft, dass schon Leute unwohl und ohnmächtig wurden." Doch dann hatte Toddenroth eine Lösung des Problems: man könne ja den Hof des Hauses 27 für einen Kirchenanbau nutzen. Das brach liegende Grundstück Ecke Einsiedler-/Erfenschlager Straße wurde verkauft. Baumeister Lenz und Architekt Willy Schönefeld zeichneten für den Kirchbau verantwortlich. Die drei

Bernhard Toddenroth
Glocken kamen aus Bochum und wurden teilweise von Gemeindegliedern und den Bauarbeitern gespendet. Nachdem die Nachbarn wegen „Wertminderung" ihrer Grundstücke entschädigt wurden (Ist Glockengeläut denn wertmindernd?), begann der 51.000 Mark teure Bau. Euphorisch begann der Pfarrer, sogar einige Tage bevor die Polizeiliche Baugenehmigung (vom 11. Juni 1934) vorgelegen hatte. Das verteuerte den Bau allerdings um 5 RM, die Toddenroth an die Behörde als Strafe zahlen musste. Den Grundstein legte am 8. Juli 1934 Pfarrer Wilhelm Neugebauer und schon am 21. Oktober 1934 konnte der

Die St.-Antonius-Kirche
wird gebaut

Erzpriester die neu erbaute Kirche segnen. Drei Wochen später wurde der unter der Kirche gelegene Gemeindesaal seiner Bestimmung übergeben. Bischof Petrus Legge konsekrierte die neue Kirche am 6. Oktober 1935. Es war der letzte Sonntag vor seiner Verhaftung durch die Nationalsozialisten. Was sich hier so banal liest, war für Toddenroth und die Gemeinde damals mit großen Sorgen verbunden. Der Kirchbau wurde von den kirchenfeindlichen Nationalsozialisten nur genehmigt, um der hohen Arbeitslosigkeit zu begegnen. Alle Arbeiter auf der Baustelle waren vorher ohne Arbeit. Immer wieder verteuerte sich der Kirchbau, Schulden drückten und ständig plagten den

Grundsteinlegung und Glockenweihe am 8. Juli 1934

jungen Pfarrer Sorgen, für welche Rechnung er wann das Geld zusammen hatte. Hunderte von Bettelbriefen schrieb er damals, verhandelte mit verschiedenen Gewerken um Preisnachlässe. Ein von den Nationalsozialisten verhängtes Sammlungsverbot für Kirchen verschlimmerte die Lage zusätzlich. Trotz aller Steine, die im Weg lagen, gab es jedoch auch Hoffnung. Der Künstler Bruno Seener zum Beispiel stiftete den von ihm geschaffenen Flügelaltar (er stand bis 1976) der Gemeinde. Nur eine kleine Anzahlung musste Toddenroth leisten. Und so

1934 Segnung (Neugebauer), 1935 Kirchweih (Legge)

schaffte der Pfarrer das scheinbar Unmögliche: in kurzer Zeit eine Kirche zu errichten, die genug Platz bot für die Gemeinde. Trotz aller Schwierigkeiten: schon ein Jahr nach der bischöflichen Weihe waren die restlichen Kirchenbauschulden beglichen. Und endlich, endlich wurde am 1. Oktober 1937 eine kanonische Pfarrei errichtet. 24 Jahre nach dem Treffen im Gasthof waren Jakob Schewtschik's Visionen verwirklicht: eine Kirche und eine Pfarrei am Stadtrand von Chemnitz! Toddenroth wurde der erste Pfarrer einer Gemeinde aus 22 Ortschaften.

St. Antonius unter der braunen Diktatur

Das Nazi-Regime und der zweite Weltkrieg stellten neue Herausforderungen an die junge Gemeinde. In den Kriegsjahren bildete St. Antonius einen Sammelpunkt für kriegsdienstverpflichtete Belgier und Franzosen. Darunter waren 40 Alumnen eines franz. Priesterseminars. Deren Gottesdienste hielt ab 1942 der junge Vikar Vignon. Jaques Vignon arbeitete in der „Auto-Union" als Gewindeprüfer und betreute die Christen trotz einer immer drohenden Gefahr der Verhaftung. Über ihn und seine gefährliche Arbeit blieb uns ein Bericht erhalten:

„Samstag, 18. September - nach Chemnitz. Das erste Wochenende mit apostolischer Arbeit. Vorkämpfertreffen mit dem jungen dienstverpflichteten Geistlichen Jacques Vignon. Er hat die ganze Gegend schon gründlich bearbeitet und durchorganisiert. Brüderliche Begegnung zwischen Priestern, die die gleiche Verantwortung vor Christus fühlen und vom gleichen Verlangen getragen werden. Am Sonntagmorgen Heilige Messe mit mehr als 200 Gläubigen. ... Der Geistliche hat uns seine Kirche zur Verfügung gestellt, obgleich er weiß, dass schon viele deshalb verhaftet worden sind."
Anfang 1944 nahmen die Nazis Abbé Vignon tatsächlich in Haft und schoben ihn nach Frankreich ab, wo bis August 1944 das hitlerfreundliche Vichy-Regime
Jaques Vignon
unter Marschall Pétain herrschte. Auch Pfarrer Toddenroth wurde verhaftet und nach seiner Untersuchungshaft aus Chemnitz verwiesen. Er hatte Kirche und Pfarrsaal den Zwangsarbeitern zur Verfügung gestellt und dem französischen Vikar Vignon (also einem Nichtarier) das Beichtehören genehmigt. Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis musste Toddenroth als Seelsorger nach Annaberg-Buchholz wechseln. Pfr. Kretschmer aus Annaberg kam nach St. Antonius - vom 1.6.1944 bis 31.5.1945. Immer radikaler beschränkten die Nationalsozialisten das kirchliche Leben. Jugendhäuser und Klöster wurden beschlagnahmt, kirchliche Vereine verboten, in Kliniken durfte nicht mehr getauft werden und so weiter. Hitlers Krieg verschlimmerte alles. Die Zeitungen druckten täglich neue Todesanzeigen. Küster Robert Ritter fiel am 5. August 1941 im Alter von 31 Jahren. Für die Illusion des Endsieges missbrauchten die Faschisten nicht nur junge Menschen, sondern alles, was man als „Kanonenfutter" einsetzen konnte.

Ein Stück Frieden im brutalen Krieg: Firmung 1940

So wurden auf sogenannten „Meldebögen" die Orgelpfeifen erfasst. Am 5. März 1945, beim Luftangriff auf Chemnitz, schien die Antonius-Kirche vergleichbar gut weggekommen zu sein. Zwei Bomben schlugen neben dem Gebäude ein. Die Druckwelle dieser Sprengsätze allerdings zerstörte Scheiben und Teile des Innenraums. Zum Glück waren es alles reparierbare Schäden. Auch wenn das Schicksal gnädig mit unserer Kirche umgegangen ist, so waren es die Leute im Keller des Pfarrhauses, die Angst und Leid ertragen mussten und in dieser Bombennacht unvorstellbaren Mut bewiesen haben.

Küster Robert Ritter hinterließ
eine Familie
Stabbrandbomben trafen das Dach des Pfarrhauses. Um das Haus vor einem Flammeninferno zu bewahren, kletterten Männer mit Handspritzen auf das brennende Dach - noch während die Bomben einschlugen. Vom Gasthaus „Reichels Neue Welt" kamen traumatisierte Menschen in den Keller. Das Gasthaus brannte nach einem Treffer bis auf die Grundmauern nieder. Ein Schwerverletzter benötigte dringend einen Arzt. Also rannte Kantor Leo Walter unter Einsatz seines eigenen Lebens noch während des Luftalarms nach Harthau, um den Arzt zu holen, der tatsächlich auch kam. In den letzten Kriegstagen war es Pfarradministrator Kretschmer, der aus dem Pfarrhaus eine weiße Fahne ragen ließ - unter Lebensgefahr. Nach der Kapitulation Deutschlands durfte Pfarrer Toddenroth am 01.06.1945 die Gemeinde wieder übernehmen. Kretschmer ging zurück ins St.-Anna-Heim. Schon im September 1945 konnte Pfr. Toddenroth die Beseitigung der Kriegsschäden seinem Bischof melden.

zur Chronik - Teil 2

zur Chronik - Textfassung (ohne Bilder)